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Urach - ehemalige Landeshauptstadt von Südwürttemberg

Graf Eberhard V. von Württemberg prägte entscheidend die Geschichte und das Erscheinungsbild von Bad Urach

Residenzschloss mit dem Turm der Amdanduskirche im Hintergrund
Residenzschloss mit dem Turm der Amdanduskirche im Hintergrund

Graf Eberhard V. von Württemberg, auch Graf Eberhard im Barte genannt, machte Urach zur Landeshauptstadt von Südwürttemberg und prägte noch stärker als sein Vater die Geschichte von Bad Urach und das Erscheinungsbild der Stadt. So beauftragte er 1470-1499 seinen Baumeister Peter von Koblenz, die spätgotische Stiftskirche St. Amandus, ein bedeutender Kirchenbau der schwäbischen Spätgotik mit bedeutenden Ausstattungsstücken, zu erbauen. Die Fertigstellung erfolgte erst nach dem Tod Graf Eberhard V. von Württemberg um 1500 unter Peter von Koblenz.
Stiftskirche St_ Amandus – Wikipedia

Kirche St. Amandus
Turmspitze der Amanduskriche
Turmspitze der Amanduskriche
Die Stiftskirche ist ein spätgotischer Bau. Ihre Seitenschiffe sind nur halb so hoch wie das Mittelschiff mit seinem hochstrebenden Netz- und Sterngewölbe und schönem Chorgestühl (es sind Glasmalereinen von 1475 zu sehen). Hier hat Graf Eberhard in dem reich geschnitzten Stuhl gebetet. An die Nordseite der Kirche liegt der ehemalige Mönchshof, ebenfalls von ihm als Chorherrenstift für "die Brüder vom gemeinsamen Leben" erbaut. Das Stift wurde später vom evangelisch-theologischen Seminar genutzt, das 1818 auch von Eduard Mörike besucht wurde.
Stadtmuseum: die alte Klostermühle mit Mühlrad
Stadtmuseum: die alte Klostermühle mit Mühlrad

Das Sprandelsche Haus wurde als Kanzlei- und Wohngebäude für den gräfischen Hof um 1445 erbaut und diente vermutlich als Tagungsort des württembergischen Landtages im Jahre 1462. Auch das Haus am Gorisbrunnen wurde als Stadthaus, vermutlich für Gäste des Hofes, zwischen 1476 und 1479 unter Graf Eberhard im Bart erbaut. Das Fachwerkhaus gilt als "Vorbote der Rennaissance" in Württemberg. Er machte die Stadt zu einem Zentrum für Kunst und Kultur. In Urach wurde die erste schwäbische Papiermühle und 1480 die erste Druckerei gebaut. 1477 gründete er die Universität Tübingen. Ungefähr in die Lebenszeit des Grafen Eberhard im Barte fällt der Bau der ehmaligen Klostermühle. Sie wurde erstmals 1454 als "Custors-Mühle" erwähnt. Nachdem sie 1876 abbrannte, diente sie nach dem Wiederaufbau weiterhin bis 1958 als Getreidemühle mit ihrem mittelschlächtigen Wasserrad (19. Jahrhundert). Seit 1990 ist sie Stadtmuseum.

Wiedervereinigung von Württemberg

Beginenhaus
Beginenhaus

Die Wiedervereinigung und Unteilbarkeit Württembergs, also der beiden Landesteile Stuttgart und Urach, wurde im Münsinger Vertrag 1482 festgestzt und ist das Resultat der jahrelangen energischen Bemühungen von Graf Eberhard. Nach der Wiedervereinigung der beiden württembergischen Landesteile im Jahr 1482 verlor Urach seine Stellung als Residenzstadt, und somit seine wesentliche Bedeutung für das Haus Württemberg.
Eberhard Karls Universität Tübingen: Exkursion Bad Urach 2000

Das im Spitalbezirk beim Beginenhaus und bei der Spitalkapelle St. Peter und Paul (sie besteht aus einem spätgotischer Chor (1515/20) mit bemaltem Sternnetzgewölbe) liegende, um 1480 durch den Grafen Eberhard V. von Württemberg gegründete Spital "Hospitale S. Petri", wurde ab 1912 zum Grund- und Hauptschulzentrum schrittweise umgebaut.

An der Südwestecke des Schlossbezirks wurde im 15. Jahrhundert die Schlossmühle, die damalige Herrschaftsmühle erbaut. Die Dachgeschosse dienten als Fruchtlager. Das Mühlengebäude brannte 1918 aus und wurde anschließend nur teilweise wieder aufgebaut. Mitten durch das Gebäude fließt die Erms.
outdooractive.com: Residenzrundweg durch den einst herrschaftlichen Bereich von Urach (PDF)